• Auf dem Weg zum NRW 4.0 – Digitaler Wandel in der Arbeitswelt

    Industrie und produzierendes Gewerbe sind die Kraftwerke, die alle anderen Wirtschaftsbereiche mit ökonomischer Energie versorgen. NRW ist das industrielle Kraftwerk der Bundesrepublik, mit einer überdurchschnittlichen Exportquote und den höchsten Direktinvestitionen ausländischer Unternehmen.

    Getrieben von unserer Industrie ist Nordrhein-Westfalen zu dem geworden, was es heute ist. Industrialisierung, Kriege, Wirtschaftswunder, Ölkrise; unser Land hat sich oft gewandelt und wandeln müssen und mit ihm auch die Arbeit der Menschen in diesem Land. Begriffe wie „ Maloche“ sind bei uns entstanden und geprägt worden und nicht in den Büros der Börsenmakler und Investoren. Dennoch befindet sich unsere Arbeitswelt in einem Umbruch, einem Umbruch der nicht in naher Zukunft stattfindet, sondern rasend schnell bereits läuft. Die Digitalisierung verändert unsere Arbeit, unser Leben und auch uns selbst fortlaufend. Oftmals ohne, dass wir es überhaupt bewusst bemerken.

    Über die Digitalisierung unserer Wirtschaft und Gesellschaft wird geschrieben und diskutiert. Fast so viel, dass dieses Wort schon beinahe zu einem politischen Modewort verkommen ist. Alles soll mit allem vernetzt werden. Auch in Nordrhein-Westfalen. Egal, ob die einen vom „Internet der Dinge“ oder der „Industrie 4.0“ oder „Crowdsourcing“ sprechen. Wie auch immer wir es nennen: Der digitale Wandel verändert uns, unsere Gesellschaft und auch unsere Wirtschaft und Industrie nachhaltig.

    Wir befinden uns mitten in einem digitalen Strukturwandel.

    Nordrhein-Westfalen war schon in der Vergangenheit Vorreiterland und wird es auch in der Zukunft sein. Die Frage, die wir uns dabei jedoch stets stellen müssen ist: Welche Rolle spielt der Mensch in diesem Prozess? Viele Bereiche die sich bereits in der dritten oder vierten Welle des digitalen Strukturwandels befinden kommen erst jetzt in unseren Fokus. Nicht weil wir eine Entwicklung verschlafen haben, sondern aufgrund der Geschwindigkeit des Wandels. Was für uns entscheidend sein muss ist, dass wir nicht versuchen nach hinten zu schauen und aus Angst vor der Geschwindigkeit zu bremsen, sondern nach vorne blicken und gestalten. Gestaltung findet aber nicht nur im technischen Bereich statt. Auch die Rahmenbedingungen der Arbeit müssen gestaltet werden.

    Ein Beispiel: Unter dem Begriff Crowdsourcing versteht man Projekte, die von Unternehmen in einzelne Arbeitsaufgaben („Mikro Tasks“) zerstückelt, über eine Onlineplattform ausgeschrieben und von einer Vielzahl voneinander unabhängiger und quasi-anonym arbeitender Beschäftigter („Crowd“) abgearbeitet werden.

    Wir haben hier also ein Paradebeispiel der Digitalisierung unserer Arbeitswelt vorliegen. Wie in den meisten Bereichen existieren auch hier sowohl Licht-, als auch Schattenseiten. Besonders die Kreativbranche und Start-Up Unternehmen profitieren durch das Crowdsourcing und von der kreativen Power der Crowd. Die Möglichkeiten und Ressourcen sind beinahe unbegrenzt. Das Crowdfunding zum Beispiel hat in den letzten Jahren einer Vielzahl von Projekten, wie Filmen, Games und jungen Unternehmen die finanzielle Basis bereitet.

    Allerdings besteht natürlich auch die Gefahr, dass Unternehmen sich die Masse der Crowd und die weitgehende Anonymität zu Nutze machen und sozialversicherungspflichtige Jobs durch Mikro Tasks ersetzen. Auch ist nicht wirklich klar, welchem Daten- und Eigentumsschutz die Arbeiten und Daten der Crowdworker unterliegen, da diese über unterschiedlichste Plattformen angeworben und angeboten werden. Die rechtlichen Rahmenbedingungen des Crowdsourcing wurden in der Rechtsprechung bislang nur ansatzweise beleuchtet. Weder das Arbeits- noch das Sozialversicherungsrecht sind auf die Besonderheiten des Click- and Crowdworking eingestellt.

    Crowdsourcing hat das Potential, die Arbeitswelt erheblich zu verändern, aber das Potenzial, dass es birgt, darf nicht zu einer Ausbeutung 4.0 führen.

    Es muss ganz klar immer der Mensch im Mittelpunkt stehen, denn dieser leistet die Arbeit und muss sich darauf verlassen können, dass wir uns darum kümmern, dass er guten Gewissens und gerecht entlohnt seine Arbeit durchführen kann.

    NRW ist unsere Heimat, auch in der digitalen Welt. Dieser digitale Wandel soll das Leben für die Menschen vielfältiger und besser machen, neue Chancen für alle eröffnen sowie Arbeitsplätze von morgen sichern und nicht zum Arbeitsplatzvernichter werden. Die Digitalisierung ist also nicht nur eine Frage der Technologie und der Technologiepolitik. Sie ist auch eine Herausforderung der Wirtschafts-, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik, nicht zuletzt eine der Bildung und der Bürgerrechte.

     

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